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Nr. 271 — Samstag/Sonntag, 23./24. November 1991
Saarlouiser Gau uraltes Siedlungsgebiet
Funde aus der Bronzezeit und der römischen Herrschaft — Von Germanen besiedelt
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Die Kirche in Bedersdorf wurde 1732 erbaut und ist der Hl. Margaretha gewidmet. Es handelt sich um eine Hallenkirche mit quadratischem Turm. Foto: Speth |
• Von unserem Mitarbeiter CLAUS SPETH
Der Saarlouiser Gau ist, wie Funde belegen, seit rund 3000 Jahren besiedelt Fundewurden gemacht aus der Bronzezeit in Dü-ren und Kerlingen; fast in allen Gaudörfern sind Funde aus der Zeit der Römerherrschaft gemacht worden. Im 5. Jahrhundert n. Chr. wurde der Gau von landnehmenden Germanen, und zwar von den über die Mosel nach Süden vorstoßenden Chatten besiedelt. Heute wollen wir uns mit der Geschichte der Dörfer Bedersdorf, Kerlingen und Gisingen beschäftigen und eine Deutung der Namensgebung vornehmen.
Bedersdorf: Hier wurden Münzfunde aus der Zeit des römischen Kaisers Diocletian überliefert. Diocletian, Reformer des römischen Reiches, lebte von 243-316 n. Chr. Dann hören wir erst wieder um 950 von Bedersdorf, gehörte es doch zu den Pfarreien, die nach einem Dekret von Bischof Ruot-pert an Palmsonntag nach Mettlach wallfahren sollten. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1030. In diesem Jahr schenkte Markgräfin Jutta von Lothringen Güter und Rechte und den Zehnten von „Beterstorf" der Abtei St. Matthias in Trier. In der Folgezeit gab es eine ganze Reihe von Übertragungen, zum Teil einiger Rechte, an und von den verschiedenen Herren, u. a. auch die von Siersburg. Erst 1292 waren alle Rechte, auch das der Kollatur und durch päpstliche Dekrete, im Besitz der Abtei St. Matthias.
Kein römisches Winterlager
Von Bedersdorf liegen uns folgende alte Schriftbilder vor: 1270 Betersdorf, 1271 Bedestorf und Bedirstorf, 1276 Betherstorf und 1286 Bedrestorf. Spätere Schreibweisen sind Battrestorf, Baderstorf und Betterstorf. Eine frühe Deutung aus dem lateinischen „beda" = Winterlager, ist kaum zu halten. Einmal ist es unwahrscheinlich, daß die Römer ihr Winterlager auf den unwirtlichen Höhen des Gaues anlegten, andererseits zeigt das Suffix „dorf", daß es sich um eine Gründung aus der Zeit der frühen germanischen Landnahme handelt. „Beda" bedeutet aber auch noch „Ehrwürdiger", und Beda war auch, abgeleitet von Benediktiner, ein Synonym für englische Gelehrte, die unser Gebiet christianisierten. Man kann annehmen, daß sich in dem Ort ein verehrenswürdiger Geistlicher niedergelassen hatte und verehrt wurde. Darauf deutet auch ein Flurname „In der Klaus" hin. Bedersdorf wäre damit das Dorf, in dem sich ein Eremit niederließ.
Kerlingen: Auch „Kirlinga" gehörte zu den Pfarreien, die um 950 nach Mettlach wallfahren sollten. Die erste urkundliche Erwähnung findet man in einer Abhandlung über die Deutung des Namens der Stadt Düren bei Aachen. Der Verfasser bezieht sich ausdrücklich auf den Kreis Saarlouis und erwähnt 1123 ein Karlingis. 1154 bestätigt Papst Hadrian IV. die Grundrechte der Abtei Fraulautern, die 1294 auch vom Herzog von Lothringen bestätigt wurden. Neben der Äbtissin von Fraulautern werden als Grundherren noch Friedrich von Bitsch, der Herzog von Lothringen und die Bürgerfamilie Eylkzebeth Scyley aus Metz genannt. Von Kerlingen liegen uns folgende Schriftbilder vor: 1123 Karlingis, vorher um 950 Kirlinga, 1183 Keirlingen, 1294 Kir-lingen, 1356 Kerlinga und im gleichen Jahr Kerchelingen.
Motte geht in einer frühen Deutung von dem keltischen „ker" = Haus, Hof, Heim aus. Dieses „ker" finden wir heute noch in vielen Ortsnamen in der Bretagne. Es ist jedoch kaum anzunehmen, daß die Franken ein keltisches „ker" mit ihrer Endung — in-gen — als Ortsnamen verwandten. Die Schreibweise von 1123 „karlingis" weist wohl den richtigen Weg: Kerlingen ist das Dorf, das „zu den Leuten des Karl" gehörte.
Gisingen: Gisingen wird 1140 erstmals als Cuisinga erwähnt. Im 13. Jahrhundert nennt sich ein Rittergeschlecht nach dem Dorf Gunsingen. 1278 wird von Herzog Friedrich von Lothringen bekundet, daß die Hälfte des Zehnten, den sich Wiricus von Gunsingen widerrechtlich angeeignet hatte, der Abtei St. Matthias in Trier zurück übertragen wurde. 1320 tragen Ritter Mar-silius von Saarbrücken und seine Frau Hauwela ihre Güter in Gusingen dem Erzbischof Balduin von Trier zu Lehen auf. Weitere Schreibweisen sind Gusinga und Guisingen. Anton Delges führt die Bezeichnung auf den germanischen Namen Gosu oder Geiso zurück. Demnach ist Gisingen der Ort, der zu den „Leuten des Gosu" gehört.